Mit dem erstmals erhobenen VDVO MICE Climate Index (VDVO-MCI) legt der Verband der Veranstaltungsorganisatoren (VDVO) zum Jahresauftakt 2026 einen Frühindikator für die Stimmung in der deutschen Veranstaltungswirtschaft vor – und zeichnet dabei ein zunehmend angespanntes Bild. Die nicht repräsentative Branchenumfrage basiert auf Rückmeldungen aus dem aktiven Verbandsnetzwerk und soll Entwicklungen im Veranstaltungsmarkt frühzeitig sichtbar machen.
Zwar bewerten viele Unternehmen ihr operatives Geschäft im Jahr 2025 insgesamt als stabil, zugleich treten jedoch strukturelle Herausforderungen immer deutlicher zutage. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, wachsende regulatorische Anforderungen sowie eine unsichere wirtschaftliche Gesamtlage erschweren Planungssicherheit und Investitionen. „Der Veranstaltungsstandort Deutschland steht unter Druck“, sagt Björn Sänger, Vorstandsvorsitzender des VDVO. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, brauche es verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine stärkere politische Priorisierung der Branche.
Nach Einschätzung des VDVO ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Veranstaltungs-, Kongress- und Tagungsstandort zunehmend gefährdet. Hohe Kosten, komplexe Genehmigungsprozesse und eine aus Sicht der Marktakteure fehlende wirtschaftliche Dynamik werden als klare Standortnachteile wahrgenommen. Der Index verdeutlicht damit, dass es sich weniger um kurzfristige Schwankungen handelt, sondern um Fragen der langfristigen strategischen Positionierung im globalen Wettbewerb um B2B-Veranstaltungen.
B2B-Events als Schlüsselbranche
Gleichzeitig unterstreicht der VDVO MICE Climate Index die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung von B2B-Veranstaltungen. Kongresse, Tagungen und Business-Events gelten als wichtige Treiber für Wertschöpfung, Wissenstransfer und internationale Vernetzung. Davon profitieren auch angrenzende Bereiche wie Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und zahlreiche Dienstleistungssektoren. „Der Veranstaltungsmarkt ist systemrelevant für Wirtschaft und Tourismus“, betont Sänger. Bleibe eine echte wirtschaftliche Aufbruchstimmung aus, drohe dieses Segment rasant an Bedeutung zu verlieren – mit spürbaren Folgen weit über die Branche hinaus.
Darüber hinaus zeigen die Rückmeldungen einen wachsenden Bedarf an Markttransparenz, belastbaren Daten und klarer Einordnung. Nachhaltigkeit wird von vielen Marktakteuren nicht mehr als kurzfristiger Trend, sondern als selbstverständlicher Bestandteil professioneller Veranstaltungsarbeit verstanden.
Der VDVO plant, den MICE Climate Index künftig regelmäßig zu erheben. Eine Folgebefragung zur Jahresmitte 2026 ist bereits vorgesehen, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und kontinuierlich zu begleiten. „Unser Ziel ist es, nah an der Realität der Branche zu bleiben“, so Sänger. „Der VDVO MICE Climate Index soll Orientierung geben – für Unternehmen, Politik und alle, die den Veranstaltungsstandort Deutschland zukunftsfähig aufstellen wollen.“
Quelle: Messe & Event Magazin
